Creator-Fonds vs. Markendeals: Wer zahlt besser bei welcher Follower-Zahl?
Ein sachlicher Vergleich der typischen Auszahlungen aus Plattform-Creator-Fonds und Markenpartnerschaften bei unterschiedlichen Reichweiten – und wann sich welcher Weg lohnt.
Wie Creator-Fonds und Markendeals funktionieren
Creator-Fonds sind direkte Vergütungsprogramme von Plattformen wie TikTok, YouTube oder Facebook. Sie zahlen auf Basis von Views, Watchtime oder Engagement – die Plattform selbst ist der Zahler. Markendeals hingegen sind Partnerschaften zwischen Creatorn und Unternehmen: Du erstellst gesponserte Inhalte, die Marke zahlt direkt.
Der entscheidende Unterschied liegt im Mechanismus: Creator-Fonds rechnen nach Reichweite ab, die du bereits erzielt hast. Markendeals zahlen für die erwartete Reichweite und die Zielgruppenpassung. Das erklärt, warum die Einnahmen pro 1.000 Views so unterschiedlich ausfallen können.
TikToks Creator Fund zahlt beispielsweise zwischen 0,02 und 0,04 US-Dollar pro 1.000 Views – diese Zahl stammt aus öffentlichen Creator-Berichten und wurde von mehreren Quellen bestätigt. YouTubes Partnerprogramm liegt bei 0,50 bis 5,00 US-Dollar pro 1.000 Views, abhängig von Nische, Geografie und Anzeigenformat. Facebook und Instagram bieten ähnliche Programme, die jedoch stark nach Content-Typ variieren (Reels, Videos, Stories).
Typische Einnahmen bei 10.000 Followern
Bei 10.000 Followern liegt die durchschnittliche Engagement-Rate auf TikTok bei etwa 5–8 %, auf Instagram bei 1–3 %. Angenommen, ein TikTok-Video erreicht 5.000 Views:
- TikTok Creator Fund: 5.000 Views × 0,03 $ = 0,15 $ pro Video
- YouTube-Partnerprogramm: Bei 5.000 Views und 1 $ CPM = 5 $ pro Video (Voraussetzung: 1.000 Abonnenten und 4.000 Watchtime-Stunden)
- Markendeals: Kleine Accounts mit 10.000 Followern können 50–150 € pro gesponsertem Post verlangen, wenn die Nische klar definiert ist (z. B. nachhaltige Mode, lokale Gastronomie)
In dieser Phase sind Markendeals fast immer lukrativer als Creator-Fonds – selbst bei bescheidenen Raten. Der Grund: Marken zahlen für Zugang zu einer spezifischen Zielgruppe, nicht nur für Views. Ein Account mit 10.000 engagierten Followern in einer Nische ist für lokale oder Mikro-Marken wertvoller als ein generischer Account mit 50.000 Followern.
Wichtig: YouTube-Monetarisierung ist in dieser Phase oft noch nicht verfügbar, da die Schwellenwerte (1.000 Abonnenten, 4.000 Stunden Watchtime) für viele Creator erst später erreicht werden.
Einnahmen bei 50.000 Followern
Mit 50.000 Followern steigen die Optionen. Typische Reichweiten pro Post liegen bei 10.000–30.000 Views auf TikTok, 5.000–15.000 auf Instagram.
- TikTok Creator Fund: 20.000 Views × 0,03 $ = 0,60 $ pro Video
- YouTube-Partnerprogramm: 20.000 Views × 2 $ CPM = 40 $ pro Video (bei mittlerer Nische wie Lifestyle oder Tech)
- Markendeals: 200–800 € pro gesponsertem Post, abhängig von Nische und Engagement-Rate
Hier beginnt YouTube, sich deutlich abzuheben – vorausgesetzt, die Watchtime ist hoch und die Nische werbetauglich. TikToks Creator Fund bleibt selbst bei hohen View-Zahlen marginal. Markendeals sind weiterhin die stabilste Einnahmequelle, besonders wenn du regelmäßig mit denselben Partnern arbeitest.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Creator mit 50.000 TikTok-Followern und durchschnittlich 30.000 Views pro Video verdient monatlich etwa 18 $ aus dem Creator Fund (bei 20 Videos). Zwei Markendeals à 400 € im selben Monat bringen 800 € – das 44-Fache.
Einnahmen bei 100.000+ Followern
Ab 100.000 Followern öffnen sich neue Türen: Affiliate-Programme, eigene Produkte, exklusive Plattform-Deals (z. B. TikTok LIVE-Geschenke, YouTube-Mitgliedschaften). Die Einnahmen aus Creator-Fonds bleiben jedoch proportional niedrig.
- TikTok Creator Fund: 50.000 Views × 0,03 $ = 1,50 $ pro Video
- YouTube-Partnerprogramm: 50.000 Views × 3 $ CPM = 150 $ pro Video (bei etablierter Nische)
- Markendeals: 1.000–5.000 € pro gesponsertem Post, abhängig von Plattform und Zielgruppe
YouTube wird in dieser Phase zur Haupteinnahmequelle für viele Creator – nicht nur durch Anzeigen, sondern auch durch Super Thanks, Kanalmitgliedschaften und YouTube Shopping. TikToks Creator Fund bleibt selbst bei Millionen Views im Monat im dreistelligen Bereich.
Markendeals skalieren ebenfalls, aber nicht linear: Ein Account mit 100.000 Followern verdient nicht automatisch das Zehnfache eines 10.000-Follower-Accounts. Marken zahlen für Conversion-Potenzial, nicht nur für Reichweite. Ein hochengagierter Account mit 50.000 Followern kann mehr verlangen als ein passiver Account mit 200.000.
Warum Creator-Fonds so wenig zahlen
Plattformen finanzieren Creator-Fonds aus ihrem eigenen Budget, nicht aus Werbeeinnahmen, die direkt mit deinem Content verknüpft sind. TikTok hat seinen Creator Fund 2020 mit 200 Millionen US-Dollar gestartet – eine feste Summe, die auf alle teilnehmenden Creator verteilt wird. Je mehr Creator beitreten, desto kleiner wird der Anteil pro View.
YouTube funktioniert anders: Das Partnerprogramm zahlt 55 % der Werbeeinnahmen, die deine Videos generieren, direkt an dich. Deshalb variieren die CPMs so stark – sie hängen von den Anzeigenpreisen in deiner Nische ab. Finance- und Tech-Content erzielt oft 5–10 $ CPM, während Unterhaltungs-Content bei 1–2 $ liegt.
Meta hat 2021 angekündigt, eine Milliarde US-Dollar in Creator-Programme zu investieren, aber die Auszahlungen bleiben intransparent und stark an Plattform-Prioritäten gebunden (z. B. Reels-Förderung). Viele Creator berichten, dass Bonuszahlungen unvorhersehbar sind und nach wenigen Monaten auslaufen.
Wann sich welcher Weg lohnt
Unter 10.000 Followern: Konzentriere dich auf Markendeals mit lokalen oder Mikro-Marken. Creator-Fonds sind in dieser Phase nicht zugänglich oder nicht lohnenswert.
10.000–50.000 Follower: Markendeals bleiben die Haupteinnahmequelle. Wenn du auf YouTube aktiv bist und die Monetarisierungsschwelle erreichst, priorisiere längere Videos mit hoher Watchtime – hier zahlt sich das Partnerprogramm aus.
50.000–100.000 Follower: Diversifiziere. Baue auf YouTube eine stabile Anzeigeneinnahme auf, nutze Markendeals für größere Kampagnen und teste Affiliate-Links oder eigene Produkte. TikToks Creator Fund bleibt Nebeneinkommen.
Über 100.000 Follower: YouTube-Anzeigen und Markendeals sollten gleichwertig sein. Verhandle Markendeals auf Basis von Engagement-Raten und Conversion-Daten, nicht nur Follower-Zahlen. Creator-Fonds sind zu diesem Zeitpunkt vernachlässigbar.
Ein praktischer Tipp: Viele Creator kombinieren Plattformen strategisch. Sie nutzen TikTok oder Instagram für Reichweite und Markendeals, leiten Traffic aber auf YouTube, wo die Monetarisierung pro View deutlich höher ist. Ein TikTok-Video mit 100.000 Views bringt 3 $ aus dem Creator Fund – dasselbe Video als YouTube Short mit 100.000 Views kann 50–100 $ generieren, wenn es auf einen längeren Kanal verweist.
Wenn du auf TikTok gezielt Reichweite aufbauen möchtest, um Markendeals zu sichern, kann Fanovera für TikTok helfen, die initiale Sichtbarkeit zu erhöhen – besonders in der kritischen Phase zwischen 5.000 und 50.000 Followern, in der viele Creator stecken bleiben.
